Wie funktioniert Deutsch? (Erklärungen) Passiv (B1)

Aktiv und Passiv sind keine Zeitformen (wie z.B. Präsens oder Futur), sondern zwei verschiedene Sichtweisen auf eine Handlung. Dies kann in jeder Zeitform geschehen.

In einem Aktivsatz spielt das Subjekt die aktive Rolle. Stellen Sie sich vor, der Satz wird mit Hilfe eines Bildes dargestellt. Sie können sehen, wie das Subjekt die Handlung im Satz ausführt.

 

Das Mädchen isst ein Stück Sahnetorte.

oder

Das Mädchen isst den Kuchen.

In einem Passivsatz ist das urspüngliche Subjekt, das die Handlung ausführt, nicht mehr Teil des Bildes.  Die durchgeführte Handlung ist in den Mittelpunkt gerückt.

 

Das Subjekt in einem Passivsatz tut nichts, es bleibt passiv. Etwas geschieht mit ihm.

 

Ein Stück Sahnetorte wird gegessen.

oder

Der Kuchen wird gegessen.

 

Das direkte Objekt des Aktivsatzes ist also das Subjekt des Passivsatzes geworden.

 

Es besteht die Möglichkeit, das ursprüngliche Subjekt im Passivsatz zu erwähnen.

Wenn es sich um eine Person handelt, gebraucht man dazu die Präposition "von" + Dativ, z.B:

Ein Stück Sahnetorte wird von dem Mädchen gegessen.

 

Wenn es sich nicht um eine Person handelt, gebraucht man dazu die Präposition "durch" + Akkusativ, z.B.

Das Haus wurde 1877 durch den Sturm zerstört.

 

 

Bildung des Passivs: die konjugierte Form des Verbs "werden" + Partizip Perfekt

 

Präsens Das Haus wird im Sommer gebaut.
Die Häuser werden im Sommer gebaut.
Imperfekt/Präteritum Das Haus wurde 1900 gebaut.
Die Häuser wurden 1900 gebaut.
Perfekt Das Haus ist gerade gebaut worden.*

Die Häuser sind gerade gebaut worden.*

Plusquamperfekt Das Haus war schon gebaut worden.*
Die Häuser waren schon gebaut worden.*
Futur (I) Das Haus wird nächstes Jahr gebaut werden.
Die Häuser werden nächstes Jahr gebaut werden.

 

* Beachten Sie: Das eigentliche Partizip Perfekt von „werden“ ist „geworden“, im Passiv verliert die Form die Vorsilbe ge-.

 

Denken Sie daran: Im Deutschen ist das konjugierte Verb immer das zweite Element eines Hauptsatzes. Wenn es weitere Verben gibt, so befinden sich diese am Ende des Satzes, z.B.


Das Haus wurde im Jahr 1900 gebaut.
Im Jahr 1900 wurde das Haus gebaut.
       
Das Haus wird nächstes Jahr gebaut werden
Nächstes Jahr wird das Haus gebaut werden.
 
 

Passiv mit "es"

Im Deutschen wird das Passiv auch oft mit dem unspersönlichen Subjekt „es“ gebraucht, z.B.

Es wird gearbeitet.

Wie wird das gemacht?

 

Man braucht kein „es“, wenn sich am Anfang des Satzes ein anderes Satzglied befindet, z.B.

Am Montagmorgen wird wieder gearbeitet.

In Deutschland werden zu wenige Organe gespendet.

 

 

Passiv mit Modalverben


Damit kann man ausdrücken, dass etwas (nicht) gemacht werden soll/muss/kann/darf.
Man bildet das Passiv mit Modalverben mit dem konjugierten Modalverb + Partizip Perfekt + Infinitiv von „werden“, z.B.

 

Subjekt

konjugiertes  Modalverb Partizip Perfekt Infinitiv von "werden"
Präsens Die Betten sollen bis Mittag gemacht werden.
Imperfekt/Präteritum Das Gerät konnte nicht repariert werden.
Konjunktiv II Das müsste noch heute abgeschickt werden.
 

photos: © Dagmar Fischer